Autor:in
Beatrix
Veröffentlicht
22. September 2026
Lesezeit
2 min
Was können wir gegen Antisemitismus tun? Und wie muss Aufklärung gestaltet sein, damit sie Menschen erreicht und zum Handeln ermutigt?
Darüber diskutierten Kai Diekmann und Sabine Schicketanz am 16. September im Langen Stall des Kreativquartiers beim Talk „Erinnern, aufklären, handeln“, zu dem die Potsdamer Bürgerstiftung im Rahmen des Projekts „Besser begegnen“ eingeladen hatte. „Besser begegnen“ schafft Räume, um über Antisemitismus und Diskriminierung zu sprechen, Wissen zu vermitteln und gemeinsam Handlungsmöglichkeiten zu entwickeln.
„Erinnerungsarbeit ist sehr wichtig“, betonte Kai Diekmann, Vorsitzender des deutschen Freundeskreises der israelischen Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem und ehemaliger „Bild“-Chefredakteur. Sie gelinge dann, wenn man die abstrakte Opferzahl auf die einzelnen Menschen und Schicksale herunterbreche. Etwa wenn man Zeitzeugen treffe: „Das sind die Momente, in denen man die Monstrosität des Holocaust erkennt.“
Da es immer weniger Holocaust-Überlebende gebe, würden nun Briefe, Fotografien, Dokumente und Dinge zu Zeitzeugen. Diekmann präsentierte dem Publikum das neue, von Yad Vashem herausgegebene Buch "Nach so viel Schmerz und Pein – Erste Briefe nach dem Holocaust". Zudem warb er für den Besuch von Gedenkstätten. Mit einem neuen Bildungszentrum in München will Yad Vashem zu einer gelingenden Erinnerungsarbeit in Deutschland beitragen.
„Es ist wichtig, laut zu sein“
Doch Erinnern allein reicht nicht. „Was kann jeder angesichts eines erstarkenden Antisemitismus tun?“, wollte PNN-Chefredakteurin Sabine Schicketanz von Kai Diekmann wissen. „Es ist wichtig, laut zu sein“, antwortete er. „Man muss sich gegen Geschichtsverfälschung und falsche Darstellungen wehren.“ Und man müsse mit den Menschen reden, die antisemitische Thesen verbreiten. „Nicht meiden, sondern ins Gespräch gehen.“
Diekmann forderte zugleich Null Toleranz bei antisemitischen Vorfällen. „Wir haben zu viel zugelassen“, sagte er. „Die Dinge müssen klar benannt werden, und Antisemitismus muss mit der Härte des Gesetzes verfolgt werden.“ Das gelte auch für radikale, rechtsextremistische und antisemitische Darstellungen in den Medien. Insbesondere der Einfluss der Sozialen Medien trägt laut Diekmann oft zu einer falschen oder einseitigen Wahrnehmung gerade bei Jugendlichen bei.
Diekmann zeigte sich zuversichtlich, dass durch politische Bildung und Austausch noch viel berichtigt werden kann. Er dankte der Potsdamer Bürgerstiftung, dass sie dem Thema Antisemitismus im Rahmen des Projekts „Besser begegnen“ Raum gibt: „Wir müssen reden“.