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Die Potsdamer Bürgerstiftung feiert ihren 15. Geburtstag. Im Interview erzählt Gründungsvorständin Marie-Luise Glahr über aktuelle Projekte und Pläne im Jubiläumsjahr.
Vor 15 Jahren haben Sie gemeinsam mit engagierten Bürger:innen die Potsdamer Bürgerstiftung aus der Taufe gehoben. Was haben Sie erreicht?
Marie-Luise Glahr: 15 Jahre Bürgerstiftung bedeuten für mich 15 Jahre positive Energie für Potsdam. Unser erstes großes Projekt war Potspresso, ein umweltfreundliches Pfandbecher-System. Heute sind wir mit dem Bürgermobil für Senior:innen aktiv, dem Inklusionsprojekt BarriereBusters, mit vielen Stadtgrün-Aktionen und natürlich der Inselbühne. Viele kennen auch die sommerliche Drachenboot-Regatta und bestimmt bald auch unser neues Projekt Stadtbande. Stadtbande spiegelt unsere Motivation sehr gut wider.
Können Sie diese Motivation genauer beschreiben?
Unser Motto lautet „Brücken bauen, Menschen verbinden“. Beim Patenschaftsprojekt Stadtbande ermöglichen wir Potsdamer Kindern, ihre Stadt bei Ausflügen in allen Facetten zu erleben. Das ist nicht für alle Kinder selbstverständlich. Viele Kinder im Potsdamer Süden leben oft nicht im Potsdam der Schlösser, Parks und schönen Häuser. Wir wollen ihnen diesen Teil der Stadt öffnen und gemeinsam mit ehrenamtlichen Pat:innen ihre Persönlichkeit stärken. Wer gute Chancen bekommt, entwickelt leichter Verständnis und Empathie und ist vielleicht eher bereit, Zuwendung weiterzutragen. Das finde ich gerade heute sehr wichtig.
Mehr über Stadtbande lesen Sie hier
Was hat sich denn heute im Vergleich zur Anfangszeit der Bürgerstiftung verändert?
Anfangs stand das Aktivwerden im Vordergrund, das „Machen statt Meckern“, und die Lust am Gestalten. Heute sehe ich die Härte im Dialog, starres Schweigen oder sogar Rückzug aus der Gesellschaft als großes Problem an. Umso mehr wollen wir Menschen zusammenbringen und Räume für Austausch offenhalten.
Können Sie Beispiele nennen?
Klar – zum Beispiel die Inselbühne. Wir haben sie 2021 vor dem Abriss gerettet. Jetzt ist die traditionsreiche Open-Air-Bühne wieder ein lebendiger, kostenfreier Kulturort für alle Potsdamer:innen mit einem neuen Besucherrekord in 2025. Auch das Bürgermobil verbindet Menschen bei gemeinsamen Ausfahrten mit der Rikscha. Genauso erlebt man beim Projekt Bürger:Beete Zusammenhalt.
Wie meinen Sie das?
Vordergründig erfreuen die Blumeninseln das Auge und sind gut fürs Klima und die Artenvielfalt. Doch gleichzeitig wächst beim gemeinsamen Gärtnern das Gefühl von Gemeinschaft und Selbstwirksamkeit. Dies zu erleben tut gerade in unsicheren Zeiten gut. Es hilft, Ängste abzubauen. Wir leben in einer Welt, in der man vieles nicht in der Hand hat. Und trotzdem kann man gemeinsam vor Ort viel bewirken.
Stadtgrün schützen: mehr Infos hier
So viele Projekte - wie fühlt sich das an?
Da ist Freude und Stolz. Durch die Kraft der guten Idee ist mit der Bürgerstiftung etwas entstanden, das lebt, atmet, bunt ist und begeistert. Mit unseren Projekten können wir Lücken im gesellschaftlichen Miteinander schließen und einen Mehrwert für die Stadt schaffen. Die Stiftungsarbeit bringt aber auch eine große Verantwortung mit sich.
Können Sie darüber mehr erzählen?
Viele Potsdamer:innen finden unsere Initiativen gut, und wir werden regelmäßig ausgezeichnet – z.B. 2025 mit dem Klimapreis und dem Inklusionspreis der Stadt Potsdam. Doch für die Umsetzung der vielen Projekte und das Management der mittlerweile über hundert Freiwilligen müssen wir zukünftig unsere Strukturen verstärken und professionalisieren. Wir brauchen auch schlicht größere Räume, die wir glücklicherweise im neuen KreativQuartier gefunden haben. Wir haben nur ein kleines Stiftungskapital und Fördermittel werden knapper, deswegen benötigen wir möglichst viele Menschen, die unsere Arbeit finanziell mittragen.
Inklusionspreis für die Barrierebusters: mehr Infos hier
Wie wollen Sie das in Zukunft managen?
Mit unserem Umzug ins Kreativquartier eröffnen sich neue Möglichkeiten. Dort haben wir erstmals ein festes Zuhause und können uns weiter etablieren. Wir wollen noch sichtbarer werden. Unser Ziel für 2026 ist, viele neue Mitglieder für unseren Freundeskreis zu gewinnen. Mit einem Mitgliedsbeitrag von nur 100 Euro jährlich kann jede:r unsere Arbeit nachhaltig sichern. Der Slogan für die Kampagne lautet: „Was Potsdam trägt“.
Das klingt interessant...
...ja, und wir meinen damit: Die Bürgerstiftung ist bereit, Potsdam auch in Zukunft mit zu tragen – wenn viele ihr Engagement mittragen. Ich wünsche mir, dass mehr Potsdamer:innen sich die Stiftung zu eigen machen und unterstützen. Das geht finanziell, aber auch, indem man mit anpackt. Beides ist wichtig: mitstiften und mitmachen.
Was gibt es konkret zu tun?
Die Aufgaben sind so vielfältig wie unsere Projekte. Wer Lust auf Gesellschaft oder Rampenlicht hat, ist bei der Inselbühne richtig. Wer Radfahren will, kann sich beim Bürgermobil bewerben. Auch im Büro gibt es immer viel zu tun, z.B. im Bereich Marketing oder allgemeine Administration. Aktuell suchen wir jemanden, der uns bei der IT unterstützt.
Wieviel Zeit müssen Ehrenamtliche denn mitbringen?
Das richtet sich nach dem individuellen Zeitbudget. Eine Veranstaltung auf der Inselbühne zu begleiten oder eine Ausfahrt mit dem Bürgermobil dauert rund drei Stunden. Beim Einsatz im Bürger:Beet oder der Übernahme einer Patenschaft bei Stadtbande sollte man mit etwa fünf Stunden pro Monat rechnen. Wir haben auch ein Flexiteam mit Personen, die nur punktuell bei Events z.B. bei Auf- und Abbau helfen oder einfach den Infostand betreuen.
Die Inselbühne - Potsdams Kulturort für alle: Mehr Infos hier
Wie kann man mehr über die aktuellen Aktivitäten erfahren?
Am besten auf Instagram und auf unserer Webseite. Oder live: Beim Mitmachtreff - jeden letzten Donnerstag im Monat - treffen wir uns in lockerer Atmosphäre zum Austausch und schauen, was ansteht. Da können Interessierte jederzeit dazustoßen und sich informieren. Und: Wir laden 2026 zu einer großen Geburtstagsfeier ein. Bald gibt es dazu nähere Infos.
Nach 15 Jahren Engagement: Was hält Sie persönlich bei der Stange?
Die Bürgerstiftung ist über die Jahre erwachsen geworden – so wie meine drei Kinder. Ich lerne, sie loszulassen und zu vertrauen, dass sie ihren Weg gehen. Doch die Verbindung bleibt innig und die Begleitung intensiv. An der Stiftungsarbeit gefällt mir nach wie vor am besten, gemeinsam mit netten Menschen etwas zu gestalten und zu erleben. Meinen größten Lachflash hatte ich 2025 mit unseren Leuten an der Gastrotheke auf der Inselbühne. Mal sehen, was 2026 bringt. Ich bin positiv gespannt!
Interview: Beatrix Fricke